Risikolebensversicherung als Betriebsausgabe: Was für Selbstständige, Gesellschafter, GmbH und Keyperson gilt
Ob die Beiträge einer Risikolebensversicherung den Gewinn mindern, hängt nicht vom Zweck ab, sondern davon, wessen Leben versichert ist und wer den Vertrag hält. Der Ratgeber ordnet die typischen Gestaltungen für Unternehmer, Gesellschafter und Firmen ein.
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Ist die Risikolebensversicherung eine Betriebsausgabe?
Für Selbstständige, Freiberufler und Gesellschafter einer Personengesellschaft ist die Risikolebensversicherung auf das eigene Leben keine Betriebsausgabe, auch wenn sie einen Betriebskredit oder den Fortbestand der Kanzlei absichert. Der Tod gilt als privates Lebensrisiko; die Beiträge bleiben Sonderausgaben, die Auszahlung ist einkommensteuerfrei.
Betrieblich ist der Vertrag, wenn ein Unternehmen das Leben eines Mitarbeiters oder Geschäftspartners versichert und selbst bezugsberechtigt ist, oder wenn eine GmbH ihren Gesellschafter-Geschäftsführer versichert. Dann sind die Beiträge Betriebsausgaben, die Versicherungssumme aber eine steuerpflichtige Betriebseinnahme.
Können Selbstständige ihre eigene Risikolebensversicherung als Betriebsausgabe absetzen?
Nein. Betriebsausgaben sind nach § 4 Abs. 4 EStG nur Aufwendungen, die durch den Betrieb veranlasst sind. Eine Risikolebensversicherung auf das Leben des Inhabers sichert aber ein Risiko ab, das jeden Menschen trifft, und zählt deshalb zur privaten Lebensführung im Sinne von § 12 Nr. 1 EStG.
Daran ändert auch eine Bank nichts, die den Vertrag als Sicherheit für einen Betriebskredit verlangt. Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 11.05.1989 (IV R 56/87) entschieden, dass die Beiträge selbst dann keine Betriebsausgaben sind. Maßgeblich ist allein, welche Gefahr versichert ist.
| Gestaltung der Risikolebensversicherung | Beiträge | Auszahlung im Todesfall |
|---|---|---|
| Einzelunternehmer versichert sein eigenes Leben | Sonderausgabe im Höchstbetrag | nicht einkommensteuerpflichtig |
| Personengesellschaft versichert einen Gesellschafter | keine Betriebsausgabe, gilt als Entnahme | gilt als Einlage, nicht steuerbar |
| Firma versichert einen Mitarbeiter oder Geschäftspartner und ist bezugsberechtigt | Betriebsausgabe | Betriebseinnahme |
| GmbH versichert ihren Gesellschafter-Geschäftsführer zu ihren Gunsten | Betriebsausgabe | Betriebseinnahme der GmbH |
Als Sonderausgabe zählt der Beitrag zum gemeinsamen Höchstbetrag von 2.800 Euro für Selbstständige, den die private Krankenversicherung meist schon ausschöpft. Wie das genau funktioniert, erklärt der Ratgeber Risikolebensversicherung steuerlich absetzbar.
Risikolebensversicherung für Gesellschafter einer GbR, OHG oder KG: warum der Abzug scheitert
Versichern sich die Gesellschafter einer Personengesellschaft gegenseitig, bleibt die Risikolebensversicherung privat. Der Bundesfinanzhof hat das am 23.04.2013 (VIII R 4/10) für zwei Partner einer Rechtsanwaltssozietät entschieden, die sich im Gesellschaftsvertrag dazu verpflichtet hatten, um Umsatzausfall und Fortführung der Kanzlei abzusichern.
Ebenso wenig hilft es, die Leistung zur Abfindung der Erben einzuplanen: Eine Lebensversicherung der Gesellschaft auf das Leben ihrer Gesellschafter gehört nach dem Urteil vom 06.02.1992 (IV R 30/91) auch dann nicht zum Betriebsvermögen. Die Beiträge gelten als Entnahmen, die Auszahlung als Einlage.
Teilhaberabsicherung bleibt sinnvoll, nur ohne Steuerabzug: Der fehlende Betriebsausgabenabzug hat eine gute Seite. Weil der Vertrag privat ist, fließt die Versicherungssumme ohne Einkommen- und Gewerbesteuer. Damit lässt sich der Anteil des verstorbenen Partners von den Erben übernehmen.
Am klarsten ist die Teilhaberabsicherung über Kreuz: Jeder Gesellschafter ist Versicherungsnehmer, Beitragszahler und Bezugsberechtigter auf das Leben des anderen. So fällt in der Regel auch keine Erbschaftsteuer an, wie der Ratgeber Risikolebensversicherung über Kreuz zeigt.
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Keyperson-Versicherung: Wann eine Risikolebensversicherung auf Mitarbeiter Betriebsausgabe ist
Eine Keyperson-Versicherung ist eine Risikolebensversicherung, mit der ein Unternehmen den Ausfall eines unverzichtbaren Mitarbeiters oder Geschäftspartners absichert. Ist die Firma Versicherungsnehmerin und allein bezugsberechtigt, gehört der Vertrag zum Betriebsvermögen, die Beiträge sind Betriebsausgaben und die Auszahlung ist Betriebseinnahme.
Der Bundesfinanzhof begründet das im Urteil vom 14.03.1996 (IV R 14/95): Bei einem fremden Dritten dienen dessen persönliche Umstände nur als Bemessungsgrundlage der Prämie, versichert ist ein betriebliches Risiko. Für den Inhaber selbst oder nahe Angehörige gilt das gerade nicht.
Versicherungssumme für die Keyperson eines Ingenieurbüros
- Rohertrag, den der leitende Ingenieur im Jahr verantwortet: 240.000 Euro
- angenommener Einbruch bis zur Einarbeitung eines Nachfolgers: 50 Prozent für 18 Monate, also 180.000 Euro
- plus Personalsuche und Einarbeitung: 40.000 Euro
- plus Vertragsstrafen und Ersatzleistungen in laufenden Projekten: 30.000 Euro
- Bedarf nach Steuern 250.000 Euro, bei rund 30 Prozent Steuerlast auf die Auszahlung geteilt durch 0,7
≈ 357.000 Euro, aufgerundet 360.000 Euro Versicherungssumme
Der Mitarbeiter muss dem Vertrag schriftlich zustimmen und die Gesundheitsfragen selbst beantworten, sonst ist er unwirksam (§ 150 VVG). Worauf es dabei ankommt, steht im Ratgeber Risikolebensversicherung auf eine andere Person abschließen.
Ist die Risikolebensversicherung der GmbH auf ihren Geschäftsführer eine Betriebsausgabe?
Ja, wenn die GmbH Versicherungsnehmerin, Beitragszahlerin und Bezugsberechtigte ist. Eine Kapitalgesellschaft hat nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 04.12.1996 (I R 54/95) keine außerbetriebliche Sphäre. Deshalb kann sie auch das Leben ihres Gesellschafter-Geschäftsführers betrieblich versichern.
Die Kehrseite: Zahlt der Versicherer 300.000 Euro an die GmbH, bleiben nach rund 30 Prozent Steuern etwa 210.000 Euro übrig. Wer einen festen Betrag braucht, etwa zur Tilgung eines Firmenkredits, rechnet die Summe deshalb brutto hoch. Der Hebesatz Ihrer Gemeinde verändert das Ergebnis leicht.
Was eine Absicherung in dieser Größenordnung kostet, zeigt das Beispiel einer 40-jährigen Führungskraft im Büro mit 300.000 Euro Versicherungssumme. Ob die Firma oder der Gesellschafter privat zahlt, ändert am Beitrag nichts, nur an der steuerlichen Behandlung.
| Tarif | Beispielfall | Zahlbeitrag mtl. | Bruttobeitrag mtl. |
|---|---|---|---|
| Europa Risikolebensversicherung Basis (Tarif E-RL) | 40 Jahre, Nichtraucher seit 10 Jahren, 300.000 €, 20 Jahre | 19,14 € | 43,49 € |
| Hannoversche Risikolebensversicherung Basis | 40 Jahre, Nichtraucher seit 10 Jahren, 300.000 €, 20 Jahre | 19,74 € | 43,87 € |
| WGV Risiko-Lebensversicherung BASIS-Tarif | 40 Jahre, Nichtraucher seit 10 Jahren, 300.000 €, 20 Jahre | 20,23 € | 44,96 € |
| SIGNAL IDUNA SI RisikofreiLeben | 40 Jahre, Nichtraucher seit 10 Jahren, 300.000 €, 20 Jahre | 21,95 € | 31,36 € |
Bezugsrecht der GmbH-Risikolebensversicherung bewusst wählen: Setzt die GmbH Ehepartner oder Kinder des Geschäftsführers als Begünstigte ein, kommt der Vorteil privat an. Dann liegt in der Regel Arbeitslohn oder eine verdeckte Gewinnausschüttung vor, die vor dem Abschluss mit dem Steuerberater geklärt werden sollte.
Checkliste: betriebliche oder private Risikolebensversicherung für Ihr Unternehmen
Welche Gestaltung der Risikolebensversicherung passt, entscheidet der Zweck. Für die Familie des Unternehmers bleibt der private Vertrag mit steuerfreier Auszahlung meist die bessere Wahl, für den Schaden der Firma die betriebliche Keyperson-Lösung.
- Zweck festlegen: Familie, Erbenabfindung, Firmenkredit oder Ausfall einer Schlüsselkraft
- Versicherungsnehmer, Beitragszahler und Bezugsberechtigten passend zum Zweck eintragen
- bei betrieblichen Verträgen die Steuer auf die Auszahlung in die Summe einrechnen
- Abfindungs- und Nachfolgeregeln im Gesellschaftsvertrag auf die Versicherungssumme abstimmen
- Laufzeit am Kreditende oder am geplanten Ausscheiden ausrichten, für Tilgungsdarlehen eine fallende Summe prüfen
Für Betriebskredite mit planmäßiger Tilgung reicht oft eine fallende Summe zu einem deutlich niedrigeren Beitrag, wie die Darlehensabsicherung zeigt. Die steuerliche Einordnung Ihres Falls klären Sie mit Ihrem Steuerberater, die passenden Tarife vergleichen wir.
Fragen zur Risikolebensversicherung als Betriebsausgabe
Kann ich als Selbstständiger meine Risikolebensversicherung als Betriebsausgabe absetzen?
Nein. Eine Risikolebensversicherung auf das eigene Leben ist auch für Selbstständige Privatsache, selbst wenn sie einen Betriebskredit absichert. Die Beiträge sind nur als Sonderausgaben im Höchstbetrag von 2.800 Euro abziehbar, dafür ist die Auszahlung einkommensteuerfrei.
Ist die Risikolebensversicherung einer GmbH auf ihren Geschäftsführer eine Betriebsausgabe?
Ja, wenn die GmbH den Vertrag hält, die Beiträge zahlt und selbst bezugsberechtigt ist. Im Gegenzug ist die Auszahlung der Risikolebensversicherung eine Betriebseinnahme, auf die Körperschaft- und Gewerbesteuer von zusammen rund 30 Prozent anfallen.
Was ist eine Keyperson-Versicherung?
Eine Keyperson-Versicherung ist eine Risikolebensversicherung, die ein Unternehmen auf das Leben eines wichtigen Mitarbeiters oder Geschäftspartners abschließt. Die Firma ist bezugsberechtigt und erhält die Summe, um Umsatzausfall, Personalsuche und Einarbeitung zu finanzieren. Die Beiträge sind Betriebsausgaben.
Sind gegenseitige Risikolebensversicherungen von GbR-Gesellschaftern absetzbar?
Nein. Nach dem Bundesfinanzhof (VIII R 4/10) sind Beiträge für gegenseitige Risikolebensversicherungen von Sozietätspartnern nicht betrieblich veranlasst, auch wenn der Gesellschaftsvertrag sie vorschreibt. Die Auszahlung bleibt dafür frei von Einkommen- und Gewerbesteuer.
Muss die Auszahlung einer betrieblichen Risikolebensversicherung versteuert werden?
Ja. Ist die Risikolebensversicherung Betriebsvermögen, etwa als Keyperson-Vertrag oder bei der GmbH, gehört die Versicherungssumme zum steuerpflichtigen Gewinn. Planen Sie die Summe deshalb so, dass nach Steuern der benötigte Betrag übrig bleibt.
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